Botschaft zum Christfest des Jahres 2004


Er dachte an uns, da wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich (Ps.136,23)

Botschaft des Erzbischofs der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands Jánis Vanags zum Christfest des Jahres 2004

Zum Weihnachtsfest sind einander nahe stehende Menschen bestrebt, zusammen zu sein an einem warmen, von der Finsternis, der Einsamkeit und von fremden Blicken abgeschirmten Ort, an dem es Harmonie, Liebe, das Empfinden von Ruhe und Sicherheit gibt. Einen solchen Ort in seiner tiefsten und schönsten Bedeutung möchte man das Zuhause nennen. Der Christabend hilft, den Kummer zu vergessen, die Entfremdung zu überwinden und das Beste in unseren gegenseitigen Beziehungen in den Vordergrund zu rücken.

Trotz allem sprechen die von Menschen erfundenen Symbole zum Weihnachtsfest auch von der Vergänglichkeit. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen herunter, die Nadeln fallen ab, die Freude über die Geschenke wird von der Gewohnheit überdeckt. Aus der Weihnachtsoase müssen wir in die Einöde des Alltages zurückkehren, wo wir einander weh tun und täuschen, wo die Schwere des Alltages auf uns lastet und Träume der Sehnsucht oft unerreichbar bleiben. Der Christabend läßt uns etwas Ewiges und Wunderschönes streifen, fragt uns aber auch, was davon bleibt, wenn vom Weihnachtsbaum die Nadeln abgefallen sind und wenn ihn aus dem Wohnzimmer entfernt haben. Was bleibt uns vom Leben, wie wir es bis dahin gelebt haben? Aber das ist Weihnachten: Das Ewige streift das Verlorene. Christus kam in die Welt zu den verlorenen, zerbrechlichen und vergänglichen Menschen, damit wir mit Ihm ein Zuhause gewönnen, das nicht verloren geht, ein Leben, das nicht beklemmt, eine Beziehung, die nicht enttäuscht.

Die Menschen meinen gewöhnlich, sie seien auf der Suche nach Gott. Doch eigentlich hat der allmächtige, ewige Gott dich gefunden und nähert sich dir mit einer unbeschreiblichen Geschwindigkeit. Er blickt in die Geheimnisse deiner Seele hinein. Das kann Angst machen. Was wird geschehen? Was wird Er mit mir tun?

Die Botschaft der Engel am Christfest lautet: „Fürchtet euch nicht! Freuet euch!“ In Christus kommt Gott auf uns zu nicht als Richter, sondern als Retter. Der Christabend hilft uns für einen Augenblick unsere Probleme zu vergessen. Christus kommt, um sie zu lösen. Unser Schmerz hat tausend Gesichter, jedoch nur eine Ursache – unsere Ferne von Gott. Das spricht ein altes Gebet aus: „ Herr, in Deinen Händen bin ich in Sicherheit. Wenn Du mich hältst, brauche ich nichts zu fürchten. Über meine Zukunft weiß ich nichts, aber ich vertraue Dir!“ Christus ist geboren, um uns aus vielen Wegen und von vielen Zäunen in die Hand Gottes zurückzuführen, zu Seinem vergebenden und liebenden Herz des Vaters. Dorthin, wo alles seine Lösung findet und seinen ewigen Sinn erhält. Dorthin, wo wir wirklich zu Hause sind.

Das Christfest ist voll von Bedeutungen. Gott schenkt uns das, was Ihm das Allerteuerste und uns das Allernotwendigste ist – Seinen Sohn. Er verlangt keine Gegenleistung, keine Verdienste, und möchte dennoch, daß wir im Vertrauen auf Christus zu Seinem Abglanz werden. Daß durch uns Seine Liebe und Wahrheit die Welt erleuchtete und die Menschen Trost und Hoffnung geschenkt werden möge. Er sagte: „Ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Welt.“ Möge der Geist der Weisheit und der Wahrheit Gottes uns Weihnachten als Fest der Liebe Gottes und unserer göttlichen Berufung erfahren helfen.

Herzlich grüße ich zum Christfest meine liebe Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands und alle, die sich über die Geburt unseres Herrn freuen, sowie alle diejenigen, die dem Ruf, Christus in der eigenen Seele eine Heimstätte zu bereiten, noch entgegengehen!

Aus Svétdienas Ríts, Zeitung der ELKL Nr. 48/2004
Übersetzung: Johannes Baumann