Die Zeit der gebrochenen Siegel ist jetzt!
„Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen …“ (Offb 5,9).
Weil Jesus durch seinen stellvertretenden Opfertod das Schuldproblem der Menschheit gelöst hat, hat er allein das Recht, die versiegelte Buchrolle aus der Hand des Vaters zu nehmen und ihre Siegel zu brechen. Jesus öffnet die Siegel; es erscheinen nacheinander die vier apokalyptischen Reiter, die auf ihren Pferden expandierende Reiche (weißes Pferd), Kampf und Krieg (rotes Pferd), Teuerung und Hunger (schwarzes Pferd), Leid, Elend und Tod (fahlgrünes Pferd) über die Menschheit bringen. Mit dem Brechen des fünften Siegels sehen wir die Märtyrer des Glaubens. Das sechste Siegel bringt das kosmische Gefüge ins Wanken, der Himmel weicht wie eine Schriftrolle, die irdische Ordnung zerbricht. Die Menschen fliehen vor Gott und dem Lamm, „denn es ist gekommen der große Tag ihres Zorns, und wer kann bestehen?“ (Offb 6,17).
Das Brechen der Siegel in Offb 6 und die Endzeitrede Jesu in Matthäus 24 entfalten die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen unseres Herrn. Vergleicht man die beiden Kapitel, fallen die Parallelen sofort ins Auge. Die apokalyptischen Reiter reiten nicht etwa durch eine aus heutiger Perspektive zukünftige Drangsalszeit, sondern durch die vergangenen zweitausend Jahre bis zur Wiederkunft des Herrn. Die Zeit der gebrochenen Siegel ist jetzt! Jesus hat uns reinen Wein eingeschenkt: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende“ (Mt 24,6). Wundern wir uns also nicht über die Kriege und das Kriegsgeschrei unserer Tage, denn es muss geschehen (Mt 24,7; Offb 6,4)! Wundern wir uns nicht über Hungersnöte, Epidemien und Naturkatastrophen wie zuletzt in Nepal (Mt 24,7, Offb 6,6.8)! Wundern wir uns nicht über die Verfolgung der Gemeinde (Mt 24,9; Offb 6,9–11)! Beten wir für unsere verfolgten Glaubensgeschwister in Nigeria, Nordkorea, in Afghanistan, im Iran, in China und vielen anderen Nationen der Erde, in denen die Gemeinde Jesu Bedrängnis, Gefängnis, Folter und Tod ausgesetzt ist! Wir Christen müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes gehen (Apg 14,22). Zu diesen gehört auch die letzte große Bedrängnis (Mt 24,21). Sogleich nach dieser letzten großen Bedrängnis wird der Herr Jesus wiederkommen und seine Gemeinde durch die Entrückung zu sich versammeln (Mt 24,29–31; 1. Thess 4,15–18). Die Zeit der Siegelgerichte ist aber auch Gnadenzeit, denn in ihr wird das Evangelium verkündigt und die Gemeinde Jesu aus allen Sprachen, Stämmen, Völkern und Nationen wird versiegelt und gesammelt (Mt 24,14; Offb 7,3; 9–14). Nutzen wir die Zeit, das Evangelium freimütig zu verkündigen!
Mancher blickt sorgenvoll in die Zukunft, doch wir dürfen wissen: Gott lenkt die Geschichte. Sie entfaltet sich vom Thron Gottes her und steht unter der uneingeschränkten Regie des Lammes. Stimmen wir ein in den ewigen Lobpreis der Engel Gottes: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob“ (Offb 5,12).
Johann Hesse, Rundbrief an die Mitglieder und Freunde des Gemeindehilfsbundes, September 2026
GHB