Ein Kolumbianer mit Luther im Herzen


Jorge Monsalve (33) wurde in Kolumbien geboren, katholisch getauft und freikirchlich erzogen. Heute lebt der Lutheraner in Dresden und kämpft für eine Erneuerung der evangelischen Kirchen.

Bevor das Interview mit IDEA beginnt, äußert Jorge Monsalve eine Bitte: „Können wir kurz beten?“ Der 33-Jährige dankt für Gottes Gnade und bittet ihn um ein Gespräch, das der Kirche dient. Dieser starke Glaube prägt sein Leben. Monsalve wurde in Kolumbien geboren und katholisch getauft. Später gehörte er verschiedenen Freikirchen in Kolumbien an.

Sein Weg nach Deutschland begann 2015 mit zwei Sehnsüchten: ein Masterstudium im Heimatland der Ingenieurskunst anzutreten und missionarisch aktiv zu werden. „Mir wurde immer klarer, wie sehr Deutschland zu einem Missionsfeld geworden ist“, erinnert er sich. Über ein Erasmus-Stipendium kam er 2016 nach Belgien, ein Jahr später an die TU Dresden, wo er seinen Master in Nanotechnik abschloss. Heute arbeitet der Maschinenbauingenieur in Dresden in einer Forschungseinrichtung.

Vom Hauskreis zur Landeskirche Als er nach Deutschland kam, leitete Monsalve erst eine  Hausgemeinde. Doch je intensiver er sich mit der Kirchengeschichte und den lutherischen Bekenntnisschriften beschäftigte, desto stärker zog es ihn zur Theologie der Reformatoren. Als sich die Hausgemeinde auflöste, trat er 2024 in die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens ein.

Nachhaltig geprägt hatte ihn der theologisch konservative Dresdner Pfarrer Michael Schubert. Den lernte er 2018 in einem internationalen Gottesdienst kennen. „Er hat mein Bild der Landeskirche positiv verändert“, erzählt Monsalve. Nun möchte er eine Prädikantenausbildung absolvieren, um ehrenamtlich in der Landeskirche predigen zu können.

Nach seinem Eintritt in die Landeskirche schloss er sich dem 2023 gegründeten europaweiten Netzwerk „Crossbearers“ (Kreuzträger) an. Es verbindet lutherische, reformierte und anglikanische Christen, die ihre Landeskirchen reformieren wollen. „Unsere Kirchen gehören dem Herrn, nicht dem Zeitgeist.“ Höhepunkt war die Konferenz „Echoing Wittenberg“ um den Reformationstag 2025 mit rund 200 meist jüngeren Teilnehmern. Dabei stellten die Kreuzträger 95 Thesen vor – zu Jesus als einzigem Weg zur Erlösung, zur Bibel als unfehlbarem Wort Gottes, zum Schutz des Lebens und einer biblisch begründeten Sexualethik. 2026 soll die Konferenz in den Niederlanden stattfinden.

Aus Liebe und ohne Angst In seinem Einsatz für Schrift und Bekenntnis stößt Monsalve immer wieder auf Widerstand. Davon unbeirrt sagt er: „Wir sind zu Christus berufen und haben deshalb nichts zu verlieren. Wir können riskieren – aus Liebe und ohne Angst.“ Er wünscht sich, dass theologisch konservative Christen in den Landeskirchen aus ihrer Vereinzelung heraustreten. Dabei bleibt er zuversichtlich: Alles könne wackeln und vergehen, sagt er. „Was bleibt, ist unsere Hoffnung in Christus.“

Von IDEA-Redakteur Daniel Scholaster

Mit freundlicher Genehmigung von Jorge Monsalve, der auch Mitglied im Gemeindehilfsbund ist. 

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